| Dies ist eine
Zeit, in der Architekten eine große Verantwortung tragen. Bei einem
Treffen kürzlich in Mailand wies Prof. Arch. Raffaele Sirica, Präsident
der CNAPPC (Nationale Vereinigung der Architekten, Raumplaner, Landschaftsplaner
und Denkmalpfleger), in besonderem Maße auf die Tatsache hin, dass
Architekten in Großbritannien und Frankreich dazu aufgerufen worden
seien, „ganze Städte neu und umweltverträglich zu planen”.
Unter dem Motto „Transmitting Architecture” findet der UIA
-Weltkongress (Internationale Architektenvereinigung) vom 29. Juni bis
3. Juli 2008 in Turin statt. Man wird hier Leitlinien bezüglich der
Einstellung setzen, mit der Architekten den globalen Herausforderungen
weltweit begegnen sollten.
Diese Veranstaltung wird, um es mit den Worten des UIA-Präsidenten
Gaétan Siew zu sagen, bei den Profis auf fruchtbaren Boden stoßen.
Profis, die entschlossen sind, für die Verteidigung des Genius loci
zu kämpfen und die Übermacht der Globalisierung einzudämmen,
die durch ihre Eintönigkeit Tradition und Lokalkolorit auslöscht.
Wie der UIA-Präsidentschaftskandidat, Giancarlo Jus, unterstrich,
werde die Architektur die Herausforderungen der heutigen Zeit auf ethischer
Ebene beantworten, indem sie Ideen und Vorschläge zur Integration
und Begegnung liefern werde, denn Architektur versteht sich als Dienstleistung.
An dieser Stelle sei die Anmerkung erlaubt, dass wir einer christlichen
Kultur angehören, die ihren Ausdruck in der Architektur, in den Städten
und in der Landschaft findet. Natürlich sollte das auch weiterhin
so sein. Man bedenke, dass die Natur Zeuge einer jahrhundertealten Anhäufung
von Leben und Kultur ist (Wer kann sich schon die Poebene oder die Hybleischen
Berge in Sizilien oder die Skylines unserer Städte ohne die Silhouette
eines herausragenden Glockenturms vorstellen?).
Mit aller Deutlichkeit wurde in Rom auf der von der CEI (italienische
Bischofskonferenz) organisierten Konferenz „Costruire bene per vivere
meglio” (Gut bauen, um besser zu leben) zum Ausdruck gebracht, dass
die neuen Kirchen „umweltverträglich” sein sollten, so
wie sie es einst waren.
Erneut zu Ruhm gelangen derzeit Kunstgriffe, die von der vernakularen
Architektur über die Jahrhunderte hinweg absorbiert und vom Modernismus
unter Vortäuschung von Stärke und aufgrund von neuen Techniken
und Materialien ausgelöscht wurden.
Die wahren neuen Technologien sind die, die den effizienten Einsatz von
erneuerbaren Energien, angefangen bei der Photovoltaik bis hin zur Geothermik,
zulassen. Es war deshalb auch kein Zufall, dass dies ein wichtiges Thema
bei vielen Projekten der Ausschreibung “Premio Nazionale di Idee
Architettura Cultura & Sport” (Nationaler Preis für Ideen
im Bereich Architektur, Kultur und Sport) war, die von der italienischen
Zeitschrift CHIESA OGGI architettura e comunicazione zusammen mit der
CNAPPC und unter Mitarbeit der CEI, der Päpstlichen Kommission für
Kulturgüter der Kirche und der CONI organisiert wurde. Ein beispielhaftes
Ereignis, auch gerade deshalb, weil alle Teilnehmer (sowohl die am 13.
Juni 2008 prämierten als auch die einen Ideenbeitrag lieferten) die
Wichtigkeit der Botschaft, nämlich im Einklang mit der Natur zu planen,
verstanden haben.
Das von der UIA initiierte Welttreffen greift diese auf Land und Tradition
abzielenden Initiativen auf, wenn auch mit einer weltlichen Note.
Ebenso wird die Biennale di Venezia 2008 diesem Aspekt Rechnung tragen.
CHIESA OGGI architettura e comunicazione wird dort im Konvent San Francesco
della Vigna in den Kreuzgängen des Instituts für ökumenische
Studien San Bernardino mit einem ihr gewidmeten Stand präsent sein,
wo sie ihre nunmehr 18-jährige Erfahrung als eine Art Agora für
den Dialog zwischen Nationen, Völkern und Kulturen einbringen wird
(s. Beitrag auf den S. 54-58).
Vielsagend ist die bei Architekten weltweit anzutreffende Übereinstimmung,
wenn es um das Hervorheben kultureller Verwurzelung geht. Man könnte
es auch so ausdrücken: Internationalität zur Verteidigung des
“Ortsgeistes”. Diese Sichtweise, die eine absolute Neuheit
in der Architektengeschichte darstellt und die sich die Architekten auf
die Fahne geschrieben haben, sagt nein sagt zu gegenseitigen, Jahrhunderte
andauernden Aggressionen, sie sagt auch nein zu Versuchen, ein Volk über
das andere zu stellen, kurzum zu all dem, was die Geschichte bisher ausgemacht
hat.
Wir teilen diese neue Auffassung und freuen uns, Ihnen über die Zusammenarbeit
zwischen
CHIESA OGGI architettura e comunicazione und Faith & Form, einer amerikanische
Zeitschrift mit internationalem Geist, berichten zu können. Faith
& Form fördert nicht nur die laufende Diskussion über die
Vielschichtigkeit des liturgischen Raums zwischen all denen, die hier
ihren Beitrag leisten, sondern zeichnet jedes Jahr für einen angesehenen
Architekturpreis verantwortlich. In diesem Jahr wird er zum 30. Mal verliehen.
Von nun an werden die Ergebnisse dieser Ausschreibung auch den italienischen
Lesern zugänglich gemacht. Im Gegenzug erhalten englischsprachige
Leser Informationen zu den von CHIESA OGGI architettura e comunicazione
ausgeschriebenen Preisen. Der Herausgeber von Faith & Form, Michael
J. Crosbie äußert sich hierzu wie folgt: “ In Zahlen
liegt eine gewisse Stärke und die Zusammenarbeit mit anderen Publikationen
eröffnet uns die Möglichkeit, ein breiteres Publikum zu erreichen.”
Ziel der Kommunikation ist die Erweiterung des Horizonts, deshalb glauben
wir an diese Initiativen und möchten Sie herzlich dazu auffordern,
Michael J. Crosbies Beitrag zu lesen (S. 41). Wir können seine Worte
nur unterschreiben. Man könnte sagen, es handelt sich um eine Art
von transatlantischer Übereinstimmung oder besser noch um eine Geste,
die alle Architekten rund um den Globus in ihrem Interesse an der Umwelt
und der Menschheit vereint.
Giuseppe Maria Jonghi Lavarini, Architekt
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